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Unter Dampf (Signale 40-61)

Unter Dampf (Signale 40-61)

Gespeichert von Stephan am Do., 29.10.2009 - 15:57
Folke Brockmann mit Dampflok

Ein Besuchsbericht aus dem DB-Dampflokwerk Meiningen

Bei einem Stammtisch in Essen im Vorfeld des  EDWFC-Jahrestreffens 2009 im thüringischen Bad Salzungen kam bei einem Vereinsmitglied die Idee auf, das sich in der Nähe befindende DB-Dampflokwerk in Meiningen zu besichtigen.

In Bad Salzungen schaute ich dann auf  www.dampflokwerk.de nach und stellte fest, dass genau an unserem Wartburgwochenende die samstäglichen Besichtungstermine nach der Ferienpause wieder aufgenommen wurden. Am Freitagabend beim gemeinsamen Abendessen machte ich dann den Vorschlag am Samstagvormittag das Dampflokwerk zu besichtigen und fand 3 Mitstreiter.

 

Zusammen mit Jochen Graeve und Jens Walden fuhren wir  dann nach Meiningen und nahmen unterwegs noch EDWC-Mitglied Torsten Lucas auf, der auf einem Campingplatz logierte.

Gegen 10 Uhr trafen wir im Dampflokwerk ein und nachdem wir 5 € pro Person an den, die Führungen durchführenden, Meininger Dampflok Verein, zahlten wurden wir in einen großen Vortragsraum geführt, wo uns zur Einführung erstmal ein DB-Film über das Werk gezeigt wurde.

 

Dieser Film kann übrigens auch im Internet bei www.bahntv-online.de geguckt werden.

 

Anschließend wurden 2 Gruppen von ca. knapp 50 Leuten gebildet und wir wurden durch die große sogenannte Richthalle geführt, wo mehrere große und kleine Dampfloks, teilweise ausgeachst, auf den Hebeständen auf ihre Reparatur- und Fristenarbeiten warteten. Anders wie bei einem Wartburg der alle 2 Jahre zur HU muss, haben Lokomotiven eine 6-Jahres-Frist, die 2 x um ein Jahr verlängert werden darf. Dabei erfuhren wir weitere interessante Sachen von unserem Führer, der auch mal Betriebsrat des Werkes war. Zum Beispiel, dass der ehem. Bahnchef Mehdorn sich persönlich für den Erhalt und Verbleib des Werkes  im DB-Konzern eingesetzt hatte. Oder, dass das Reichsbahn-Ausbesserungswerk „Helmut Scholz“ mal eine Mitarbeiterzahl von 3000 Mann hatte und heute inklusive ein paar Lehrlingen nur noch knapp über 100.

 

Das Werksgelände war früher doppelt so groß und die einzelnen, früher auf das gesamte Werksgelände verteilten Werkstätten, wie z. Bsp. Kesselschmiede, Dreherei usw., sind heute größtenteils in der großen Richthalle zusammengefasst.

 

Nicht nur DB-eigene Museums-Dampfloks, sondern auch Maschinen von deutschen und ausländischen Museumsbahnen werden instandgesetzt. In den letzten Monaten wurde sogar eine sächsische Schmalspurdampflok, von der kein Exemplar erhalten blieb, ganz neu gebaut. Auch die täglich im normalen Personennahverkehr verkehrende Ostsee-Bäderbahn „Molli“ von Bad Doberan nach Kühlungsborn verstärkte dieses Jahr mit einem Dampflokneubau aus Meiningen ihre Lokflotte um eine dringend benötigte vierte Lok. Für einen Dampflokneubau in England wurde auch schon ein neuer Kessel gefertigt. Außer Dampfloks werden heutzutage jedoch auch Personenwagen und z. Bsp.  Schneepflüge instandgesetzt, auch eine historische Elok war schon Gast.

 

Bei unserem Besuch stand im Freigelände die mit 180 km/h schnellste betriebsfähige Dampflok der Welt, die 18 201 – die hatte sich einige Tage zuvor bei einer Sonderfahrt eine Treibstange verbogen.

 

Mit dieser Lok hat es in Bezug zu meinem Vater eine besondere Bewandtnis. Der war nämlich im Krieg, zusammen mit Bruder und meiner Oma,  aus dem zerbombten Bochum nach Meiningen evakuiert worden. Mein Opa kam nicht mehr aus dem Krieg zurück und Papa blieb nach dem Krieg erstmal in Meiningen und machte bei der Deutschen Reichsbahn in diesem Ausbesserungswerk seine Schlosserlehre. Später begann er noch von der Reichsbahn aus ein Technikerstudium in Jena, kam aber dann Ende der 50er-Jahre, kurz vor der endgültigen Grenzschliessung, zurück nach Bochum. Hier fand er seinen weiteren beruflichen Werdegang aber  in der freien Industrie. Als ich noch Kind war, erzählte mir mein Vater öfter von dieser speziellen Lok, für die beim Umbau von einer Tenderlok zu einer Versuchsfahrten-Schlepptenderlok für die DDR-Reisezugwagenproduktion des Ostblocks, von den Lehrlingen Bleche zugeschnitten werden mussten.

 

Während der mittlerweile schon 20 Jahre zurück liegenden  Grenzöffnung war ich in einem Dampflokverein in Gelsenkirchen-Bismarck  aktiv und es mussten für unsere 2. Dampflok, die sich in Meiningen zur Aufarbeitung befand, noch Teile dahin gebracht werden. Die Freude meines Vaters war damals sehr groß, als ich ihn mit dahin nehmen konnte. Allerdings konnte er schon damals keinen seiner ehemaligen Kollegen mehr wiedertreffen. Viele waren mittlerweile in den Vorruhestand geschickt worden.

 

Immerhin kann mein Vater heute seinen Sohn auf dem Bild von der 18 201 betrachten.

Der diesjährige Besuch schloss dann mittags im Werk mit dem Verzehr einer Thüringer  Rostbratwurst vom Holzkohlengrill würdig ab.