Straßen der DDR (Signale 38-59)

Umschlagbild

Wer gerne noch einmal in der untergehenden DDR von Tangermünde bis Zwickau reisen möchte, dem sei ein sehr gut fotografiertes Bilderbuch empfohlen. Der damals 26 jährige Fotograf Michael Krone hatte sich Anfang 1990 auf den Weg gemacht, um mit seiner Kamera Städte und Dörfer im Bild fest zu halten, die es bald so nicht mehr geben würde.

Was vielleicht damals nur eine spontane Eingebung war, erweist sich heute als eine Nostalgiereise.

 

Ganz bewusst hatte der Autor damals auch Straßenszenen mit Autos abgelichtet, da diese einem Straßenzug, der oft über Jahrzehnte sein Aussehen nicht ändert, so etwas wie Augenblicklichkeit verleihen. Im Frühjahr 1990 war das auf jeden Fall so, denn Trabant, Wartburg, Skoda und W50 sollten sich bald aus dem Straßenbild verflüchtigen.

 

Beim Anschauen der Bilder habe ich mich gefragt, warum ich damals nicht selbst auf den Gedanken gekommen bin, die letzten kommenden Oldtimer im Foto fest zu halten. Doch die Ereignisse damals hielten mich zu sehr in Atem. Eine gewisse Ahnung gepaart mit der Furcht vor dem zukünftigen Ungewissen ließen diesen Gedanken nicht aufkommen.

 

Beim Betrachten mancher Bilder merkt man förmlich das Erstaunen des jungen Fotografen, der mit ganz anderen Stadtansichten vermutlich in Westfalen aufgewachsen war. Ein riesiger Kohlenberg zum Beispiel, der in ein Kellerloch geschippt werden musste, die Frau in Kittelschürze auf der Straße, verfallene, aber auch in Würde gealterte Hausfassaden, die Schrankenwärterin und immer wieder diese Autos.

 

Der Blickwinkel der Aufnahmen fasziniert einfach. Eingeleitet wird das Buch mit einem netten Essay des jungen Autors Peter Richter, der die DDR nur als Kind erlebt, inzwischen aber mit Texten über Deutschland Aufmerksamkeit gefunden hat.

 

Die Bildbeschriftungen scheinen von Michael Krone selbst zu stammen. Diese sind der absolute Schwachpunkt des Buches. Zu verzeihen ist, dass man nach fast 20 Jahren doch nicht immer so ganz genau weiß, wo man gewesen ist, wenn man nicht zu jedem Bild Ort und Straßennamen notiert hat. Trotzdem sind Verwechselungen passiert, die nicht hätten sein müssen, denn das historische Rathaus von Potsdam ist nun mal nicht das Schloss Sanssouci, auch wenn der Autor das damals nach einer Nacht auf der Parkbank wahrscheinlich geglaubt hat. Schmerzlicher für den Oldtimerfreund sind die falschen und unpräzisen Typenangaben der Autos. Hier hätten Autor und Verleger Jemanden fragen sollen, der alles aus eigenem Erleben noch kennt und nicht in Büchern blättern, die die Ostautos auch manchmal nicht so genau einordnen.

 

Trotzdem bleibt es ein schön anzusehendes Buch. 

Das findet Euer Martin Völz

 


Straßen der DDR
Michael Krone

erschienen bei Schneider Text

Preis: 30,- €