Rallyes und Rennen (Signale 1981-3)

Der AWE-1,5-Liter-Rennsportwagen

Fortsetzung der SIGNALE-Beitragsreihe über Eisenacher Sportaktivitäten in Verbindung mit der Eisenacher Gebrauchswagenentwicklung

Bald nach dem zweiten Weltkrieg wurden, wie schon im Serie-Beitrag in SIGNALE 5/80 erwähnt,

international vornehmlich auf Basis des Eisenacher Sportwagens 328 verschiedene neue Rennfahrzeuge erstellt. Auch im Werk selbst entstanden u. a. ein sogenannter Intertyp-Rennwagen und ein Sportwagen.

 

Ab Frühjahr 1953 erfolgte dann in Eisenach die Weiterentwicklung von Fahrzeugen, die 1951 im Rahmen eines Forschungsauftrages im Versuchsamt Berlin-Johannisthal des damaligen DAMW gebaut worden waren. Ein neuer Zweiliter-Rennwagen kam jedoch nicht mehr zum Einsatz, weil 1954 die Rennformel mit Vorschrift von 2,5-Liter-Saugmotoren (oder 750-cm³-Kompressormotor) in Kraft trat.

 

Der 130 PS leistende Sechszylindermotor des AWE-RennsportwagensZu eindrucksvollen Auftritten auf internationalen Rennpisten gelangte indessen der im Rennkollektiv des Werkes geschaffene 1,5-Liter-Rennsportwagen. An dessen Sechszylindermotor erinnerte nur noch die Bohrung von 66 mm an das frühere 328er Triebwerk. Die V-förmig hängenden Ventile wurden durch zwei obenliegende Nockenwellen gesteuert. Die Aufbereitung des KraftstoffLuft-Gemisches übernahmen anfangs sechs Motorrad-Vergaser, die später durch drei Doppelvergaser ersetzt wurden. Zwei direkt von den Nocken-wellen angetriebene, voneinander unabhängig arbeitende Magnete lieferten den Zündstrom für je zwei Zündkerzen pro Zylinder. Die Leistungsangabe für diesen Motor lautete auf 130 PS bei 7 000 U/min. Kennzeichnend am Fahrwerk waren Einzelradaufhängung vorn an DoppeIquerlenkern, die nach De-Dion-Prinzip ausgeführte Doppelgelenkwellen-Hinterachse und Abfederung der Räder durch vier längsliegende Drehfederstäbe. Innerhalb der stromlinienförmigen Karosserie war der (laut Reglement vorgeschriebene) zweite Sitz als 80-Liter-Tank ausgebildet. Die Fahrzeugmasse betrug rd. 500 kg, die Höchstgeschwindigkeit bei „langer" Übersetzung 235 km/h.

 

Obwohl die 1,5-Liter-AWE-Rennsportwagen zu den schnellsten und favorisierten Rennfahrzeugen ihrer Klasse und Kategorie zählten, kamen sie ab Frühjahr 1957 nicht mehr zum Start, da zwischen dem reinen Sportfahrzeug und der Serienproduktion keine Verbindung mehr bestand. Die Automobilsport-Aktivitäten des Werkes konzentrierten sich nunmehr ausschließlich, wie schon 1954 begonnen, auf Beweisführungen vom Leistungsstand des ganzen Betriebskollektivs direkt mit dem AWE-Industrieerzeugnis bei internationalen Rallyes.

 


Titelbild: Der AWE-1,5-Liter-Rennsportwagen

Bild 1: ...und sein 130 PS leistender Sechszylindermotor