Ein Vierteljahrhundert (Signale 1980-6)

Neben den Betriebsfahrzeugen werden jährlich rund 800 KFZ von AWE-Angehörigen der technischen Überprüfung unterzogen.

1955 entstand im VEB Automobilwerk Eisenach eine Arbeitsgruppe, die sich mit herangewachsenen und absehbaren Fragen des innerbetrieblichen Verkehrs und deren Lösung sowie des Verhaltens im Straßenverkehr befaßte.

Die ehrenamtliche Tätigkeit dieses zunächst kleinen Kollektivs, dem ersten Verkehrssicherheitsaktiv in der DDR, wurde bald zum Vorbild auch in anderen Betrieben der Republik. Der Beschluß des FDGB-Bundesvorstandes vom 22. Juni 1952 förderte dann endgültig die von Angehörigen des VEB Automobilwerk Eisenach ausgegangenen Initiativen und legte die Aufgaben der Gewerk­schaften zur Erhöhung der Sicherheit im Straßenverkehr fest. Alle Betriebe wurden zur Bildung von Verkehrs­sicherheitsaktiven aufgefordert. Inzwischen gibt es in der DDR Tausende von VSA, alle mit dem Ziel, Menschen und Material vor Schaden zu bewahren. Unzählige Mitglieder und Helfer in den Verkehrssicherheitsaktiven setzen in der ganzen Republik zum Wohle der Gesellschaft und des Einzelnen das fort, was ein paar Kollegen im VEB Automobilwerk Eisenach vor 25 Jahren began­nen.

 

Verkehrslotsen einer Patenklasse der 5. POS EisenachDamals war mit Hilfe der Sowjet­union das im zweiten Weltkrieg weitgehend zerstörte Automobilwerk wieder und neu aufgebaut. In Serie lief der Typ IFA F 9, der Einsatz des Baumusters 311 wurde vorbereitet.

 

Bei zunehmender Produktion verdichtete sich der Werkverkehr auf den engen Straßen im Betrieb immer mehr, da die Produktionsstätten auf dem alten Fabrikgelände errichtet werden mußten und inmitten der Stadt keine Ausdehnungsmöglichkeiten vorhanden waren. Hinzu kam, daß Kein Anschlußgleis an die Bahn geschaffen werden konnte und deshalb die gesamten Zu- und Abtransporte mittels Fahrzeugen durchgeführt werden mußten. So waren komplizierte innerbetriebliche Verkehrsprobleme entstanden. In dieser Situation übernahm der damalige Fuhrparkleiter die Aufgabe, in enger Zusammenarbeit mit der Verkehrspolizei und gemeinsam mit einigen Kollegen aus den Abteilungen, von denen Angehörige im Werksfahrverkehr eingesetzt waren, über Lösungen zu beraten und durch straffe Regelung und Ordnung für die Bewältigung der aufgetauchten und noch bevorstehenden Schwierigkeiten zu sorgen.

 

So wurde im VEB Automobilwerk Eisenach das erste Verkehrssicherheitsaktiv in der DDR gegründet. Das ehrenamtliche Kollektiv steckte sich große Aufgaben ab und fand sofort Anerkennung bei der Werkleitung. „Werksfahrerlaubnisse" wurden ausgegeben, die nur den Kollegen die Nutzung eines Fahrzeuges auf dem Werksgelände und im öffent­lichen Straßenverkehr gestatteten, die es zur Ausübung ihrer Funktion benötigten. Strenge Kontrollen wachten über die Einhaltung der neuen Fahrvorschriften. Die erarbeitete Werkverkehrsordnung wurde zum Bestandteil der Arbeitsordnung des Betriebes.

 

Die erfolgreiche Arbeit fand ihren Ausdruck darin, daß das AWE-Verkehrssicherheitsaktiv in den VSA­Wettbewerben der Jahre 1968, 1969 und 1970 Republiksieger wurde.

 

Wie Aufgabenumfang, Zielstellungen und erreichte Ergebnisse ständig anstiegen, widerspiegelte sich gerade in der Auswertung des Wettbewerbes 1977, dem Jahr, in dem mit Einführung der neuen Straßenverkehrsordnung der VSA-Arbeit besondere Bedeutung zukam.

 

Betreuung der Jüngsten im Verkehrserziehungsgarten des AWE Pionierlagers WilhelmstalIn der 1977er Wettbewerbsauswer­tung konnte das AWE-VSA in der Unfallentwicklung bei schuldhaft verursachten Verkehrsunfällen einen Rückgang von 6 auf 3 und bei Wege- sowie Wegeverkehrsunfällen von 48 auf 41 bilanzieren. In der Verkehrserziehung wurden im Betrieb 1 963 Schulungen mit insgesamt 81 588 Teilnehmern zu den Themen der StVO 77 sowie bei Arbeitsschutzbelehrungen mit Verkehrsthemen durchgeführt. Zur Erhöhung der Verkehrs- und Betriebssicherheit der Kraftfahrzeuge erfolgten an 332 betriebseigenen Fahrzeugen, 721 Pri­vatfahrzeugen, 407 Fahrrädern, 119 Mopeds und 507 Anhängerfahrzeugen eingehende technische Kontrollen. Von 59 vom VSA eingereichten Vorschlägen und Eingaben, davon allein 42 innerbetriebliche Verkehrsmaßnahmen betreffend, wurden 44 bzw. 39 realisiert. Die Agitationsarbeit erstreckte sich vom Gestalten von 152 Wandzeitungen in den Abteilungen und Sozialgebäuden über Betriebsfunkdurchsagen, Lautsprecherwageneinsätze und das Anfertigen von Tonbandlektionen bis hin zum Aushändigen neuer Betriebsver­kehrsordnungen an neueingestellte Kollegen und zu umfassenden Erfahrungsaustauschen, wobei Mitglieder von 6 VSA aus anderen Betrieben im Werk zu Gast waren.

 

Diese erfolgreiche Entwicklung, die hier nur in Anhaltspunkten wiedergegeben werden kann, findet weiter statt.

Gegenwärtig arbeiten im VEB Automobilwerk Eisenach 29 Abteilungs­VSA. Neben der durchgreifenden Einwirkung auf das innerbetriebliche Verkehrsgeschehen und den Transportablauf erfolgt in guter Zusammenarbeit mit der Verkehrspolizei, mit dem FDGB und anderen gesellschaftlichen Kräften eine ausgedehnte Breitenwirkung nach außen. Diese Aktivitäten beginnen bereits bei den jüngsten Verkehrsteilnehmern. Mit 52 Schulklassen bestehen Patenschaftsverträge, die sehr gute Ergebnisse zeitigen. Bisher konnte jährlich über eintausendmal die „Goldene Eins" verliehen werden.

 

Durch vielfältige und erfolgreiche Arbeit zählt das AWE-Verkehrssicherheitsaktiv selbst zu den Ausgezeichneten. Das bestätigte sich am ständig belegten 1. Platz im Kreis- und Bezirksmaßstab seit Bestehen des Wettbewerbes „Aufmerksam, rücksichtsvoll, diszipliniert — ich bin da­bei".

 


Titelbild: Neben den Betriebsfahrzeugen werden jährlich rund 800 KFZ von AWE-Angehörigen der technischen Überprüfung unterzogen. Zusätzlich
erfolgen Scheinwerfereinstellungen.

Bild 1: Verkehrslotsen einer Patenklasse der 5. POS Eisenach

Bild 2: Betreuung der Jüngsten im Verkehrserziehungsgarten des AWE Pionierlagers Wilhelmstal