Rallyes und Rennen 1902-1914 (Signale 1980-3)

Der hier nachfolgende Beitrag setzt die in SIGNALE 3/1978 begonnene Serie über Eisenacher Sportaktivitäten im Zusammenhang mit der Eisenacher Gebrauchswagenentwicklung fort. Ausgezeichnete Erfolge bei damaligen Tourenwagen-Wettbewerben verstärkten das hohe Ansehen der ab 1904 gebauten Dixi-Automobile.

 

Blättern wir nochmal zurück.

Schon vor der Jahrhundertwende waren die ersten Wartburg-Motor-wagen entstanden — in 80 Jahren vollzog sich die Entwicklung zu den heute doch so vollkommen anders beschaffenen Automobilen aus moderner Industrieproduktion. Ein Teil der großen Fortschritte ist durchaus dem Automobilsport zuzuschreiben. Das wurde sehr bald auch an Eisenacher Fahrzeugmodellen bemerkbar. Der in SIGNALE 3/78 abgebildete Wartburg-Rennwagen glich, bis auf die zwei luftgekühlten Motoren statt einem, dem Modell 1 aus der Eisenacher Fabrik. Beide waren sozusagen noch Ur-Automobile, es handelte sich um nicht mehr und nicht weniger als um nun endlich motorisierte Kutschwagen.

 

Ganz anders sah es jedoch schon mit dem ebenfalls bereits erwähnten Wartburg-Rennwagen aus, der 1902 so aufsehenerregend das Gordon-Bennett-Rennen von Paris nach Wien beendet hatte. Er war nicht an ein schon fabriziertes Modell angelehnt, sondern speziell konstruiert und gebaut, und dieses Fahrzeug deutete — wie neue Konstruktionen von anderen Firmen auch — den gründlichen Übergang an von der Motorkutsche zum Automobil klassischer Prägung. Die wichtigsten Baumerkmale: Verlagerung des Motors (bei dem Eisenacher Rennwagen ein 80 PS leistender wassergekühlter Vierzylinder) nach vorn in ein eigenständig entwickeltes Chassis, das nunmehr das Kutschenfahrgestell ablöste.

 

Dieser Rennwagen war praktisch ein Prototyp der Eisenacher Automobile, die von 1904 an unter dem Markennamen Dixi erschienen, mit Motor vorn, Hinterachsantrieb, Blattfeder-Chassis und diversen Karosserien. Sie zählten, auch als „Regina" nach Frankreich und als „Leander" nach England geliefert, zu den renommier-testen deutschen Personenkraftwagen jener Zeit.

 

Eisenacher Teilnahmen an den ab 1906 nach Bauformeln ausgetragenen Grand-Prix-Rennen gab es nicht. Aber der damals kleinste der Dixi-Tourenwagen, der 6/14-PS-Typ R 8, siegte beispielsweise 1909 bei einer Geschwindigkeitsprüfung in der Nähe von Frankfurt/Main gegen starke internationale Konkurrenz. Weit mehr jedoch lieferten Dixi-Automobile überzeugende Qualitätsbeweise in den zunehmend aufkommenden großen Tourenwagen-Wettbewerben, etwa den Herkomer-Fahrten. Bei der repräsentativsten deutschen Veranstaltung dieser Art im Jahre 1910 erzielten zwei 13/32-PS-Dixi vom Typ S 16 zwei Goldmedaillen.