Zwischenstation... (Signale 1975-6)

...am Wartburg-Fließband

 

Die Jahreswende 1975/76 veranlaßt in besonderem Maße zu Rückblick und Vorschau. Eine entscheidende Fünfjahrplanetappe ist beendet. Mit dem IX. Parteitag der SED wird die weitere Entwicklung während der nächsten fünf Jahre abgesteckt. 1976 besteht der Eisenacher Automobilbau genau 80 Jahre, jedoch begründeten erst sozialistische Produktionsverhältnisse die bisher größten Erfolge in der Geschichte des Werkes.


(Für nachstehende Übersicht ergaben sich Anhaltspunkte aus einem Politik-Gespräch des SED-Bezirksorgans „Das Volk" mit AWE-Betriebsdirektor Wilhelm Hellbach.)

 

Die Eisenacher Automobilwerker bilanzieren in diesen Tagen die allseitige Erfüllung des Planes 1975 sowie die erzielten Ergebnisse aus dem im Juli gefaßten Beschluß, den Gegenplan 1975 um weitere 1,5 Millionen Mark Warenproduktion zu erhöhen. In Weiterführung des sozialistischen Wettbewerbes wird gleich-zeitig der Plan 1976 wirkungsvoll gestartet. Mit schöpferischen Arbeitstaten und hohen Leistungen in der Produktion erfolgt im VEB Automobilwerk Eisenach die Vorbereitung auf den IX. Parteitag der SED.

 

Die Eisenacher Automobilwerker garantieren kontinuierliche Planerfüllung.

Mit den Leistungen im Plan und Gegenplan erfüllt der VEB Automobilwerk Eisenach seinen Beitrag in der vom VIII. Parteitag gestellten Hauptaufgabe und bestätigt sich als zuverlässiger Partner der Volkswirtschaft der DDR. Bei den bestehenden Zusammenhängen hat das Automobil als das modernste Individualverkehrsmittel, als hochwertiges Gebrauchsgut und Industrieerzeugnis eine besondere Bedeutung. Der WARTBURG 353 ist infolge seiner international anerkannten Konkurrenzfähigkeit seit Jahren ein wichtiger Posten in der DDR-Außenwirtschaft. Dies gilt sowohl innerhalb langfristiger Verträge für den WARTBURG-Export in sozialistische Partnerstaaten als auch für die Exporte in das nichtsozialistische Wirtschaftsgebiet. Verstärkte Nachfragen ergaben sich erneut zur Leipziger Herbstmesse auf dem Serienanlauf des 353 W. Große Erwartungen bestehen ebenfalls innerhalb der Republik. Hier erfolgen zahlreiche PKW-Zugänge aus den Werken befreundeter sozialistischer Länder, voran und mit höchsten Lieferzahlen aus der Sowjetunion. Aber es ist offenkundig, daß der WARTBURG obenan in den Mittelklasse-wagen-Bestellungen rangiert.

 

Der VEB Automobilwerk Eisenach steigert ständig die WARTBURG-Produktion.

Seit 1965, dem Jahr vor Serieneinsatz des Typs 353, wurde die WARTBURG-Produktion einschließlich der Ersatzteilfertigung fast verdoppelt. Die höchsten Steigerungen erfolgten nach dem VIII. Parteitag. 1945 hatte die Eisenacher BMW-Hinterlassenschaft in nichts weiter als aus einer einzigen großen Werkstatt bestanden, noch dazu aus einer zur Hälfte zertrümmerten. Praktisch mußte der Schritt vom Handbetrieb zur Serienfertigung getan werden. Das geschah in. den alten Mauern. Die Produktionsfläche blieb seither in nahezu unverändert bescheidenen Ausmaßen. Um so eindrucksvoller und kennzeichnender der fortwährend erbrachte Produktionszuwachs.

 

Hauptweg zur Steigerung der Arbeitsproduktivität war, ist und bleibt die Intensivierung.

Im Werk wurde kaum extensiv erweitert, sondern vor allem intensiviert. Die Eisenacher Automobilwerker riefen nicht nach großen Investitionen, sondern lösten ihre Probleme mit eigener Kraft. Im Wettbewerb reiften die Ideen, wie Handarbeit durch Maschinen ersetzt und wie schwere Arbeit in weniger schwere verwandelt werden kann. Die Rationalisierungstechnik wurde überwiegend im Werk selbst geschaffen, und die notwendigen Mittel dafür wurden aus eigenen Fonds abgezweigt. Nur was an Werkzeugmaschinen oder Anlagen unmöglich im Betrieb herzustellen war wurde dazugekauft. Jedoch bildeten auch modernste Importstücke immer wieder neue Herausforderungen an die Belegschaft, derartige Inseln technologischen Fortschritts durch weitere eigene Beiträge zu einem leistungsfähigen Ganzen zu verbinden. Eine schnelle Taktstraße allein hätte Disproportionen im Fertigungsprozeß nur vergrößert statt verkleinert.

 

Die AWE-Produktionserfolge beruhen auf der Entfaltung des Massenwettbewerbs.

Der Ausgangspunkt der Intensivierung im Eisenacher Automobilwerk liegt selbstverständlich nicht im hektischen Hochfahren der einen oder anderen Produktionsmitteltechnik. Sondern nach dem allgemeingültigen Prinzip und Ziel der Intensivierung, den gesellschaftlichen Aufwand je Produkt zu senken, setzen die Automobilwerker ihre betriebliche Rationalisierungskonzeption mit aller Entschiedenheit durch, auf breiter Front und aufgeschlüsselt bis an den einzelnen Arbeitsplatz. So wurde und wird unter der Losung „Aus jeder Mark, jeder Stunde Arbeitszeit und jedem Gramm Material einen größeren Nutzeffekt!" der Wettbewerb weitergeführt, werden weitere Reserven für ein schnelleres Wachstumstempo der Produktion erschlossen. Bei der ausgereiften Technologie, mit der der WARTBURG 353 seit Jahren in Serie läuft, gibt es heute durch Verbesserungsvorschläge zwar nur noch Sekunden zu erreichen, wo früher Minuten kamen. Aber heute spüren eben Tausende von Automobilwerkern nach Sekunden. Das zeigen die zahlreichen Wettbewerbsverpflichtungen, die persönlich- und kollektiv-schöpferischen Pläne, der Aufschwung der Neuererbewegung. Folgerichtig — und ein Ausdruck der Verbundenheit mit der bewährten Politik der Arbeiterklasse — ist daher, daß das AWE-Betriebskollektiv 1976 den Wettbewerb um 425 000 Stunden Zeitgewinn führen will.

 

Mit Steigerung der Arbeitsproduktivität wächst die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen.

Auch im sozialistischen Automobilwerk führt kein Weg am Fließband vorbei. Aber hier leitet das Band nicht Wasser auf die Mühlen des Kapitals. Hier beherrscht der Arbeiter das Fließband, nicht umgekehrt, er ist Teilhaber an dem mittels gesteigerter Arbeitsproduktivität beförderten Wohlstand. Hier rationalisiert sich kein Arbeiter selbst fort aus dem Produktionsprozeß. Seit 1966 stieg im Werk der jährliche Durchschnittslohn um annähernd 2000 Mark. Das Sozialprogramm erreicht jeden, sei es in den Kantinen, im Kulturhaus, in der Poliklinik, im neuen Sozialgebäude oder in Form der Zuschüsse für den Eigenheimbau von Kinderreichen. Oder noch ein konkretes Beispiel ist, daß und wie mit der Rekonstruktion des Motorenbaues sowohl der Flaschenhals in der WARTBURG-Produktion erweitert wird als auch gleichzeitig verbesserte Arbeitsbedingungen für die Werktätigen in diesem Produktionsbereich entstehen.

 

Die Eisenacher Automobilwerker erhöhen die WARTBURG-Qualität.

Es geht nicht allein um steigende Stückzahlen. Die sozialistische Gesellschaft betrachtet das Auto weder als ein Statussymbol, noch unterschätzt sie seine Rolle im Leben der Menschen. Was dabei einen zeitgerechten und funktionstüchtigen Personenkraftwagen anbelangt, so braucht als solcher der WARTBURG nicht nochmal erfunden zu werden. Jedoch betreiben die Eisenacher Automobilwerker die Intensivierung gleichermaßen am eigentlichen Produkt. Jüngstes Ergebnis sind die erheblich verbesserten Gebrauchswerteigenschaften des 1975 in die Serienproduktion überführten Typs WARTBURG 353 W. Sie bedeuten eine Zwischenstation bei der allseitigen Weiterentwicklung des Eisenacher Automobilbaues in der nächsten Etappe.