Bremsen aber wie? (Signale 1975-4)

 Einer der alten Autofahrer-Sprüche lautet: „Kalt gebremst ist halb gehalten!" Er soll besagen die Wirkungsmöglichkeit der Bremsen beizeiten zu nutzen, noch bevor Wärmeeffekte das Bremsvermögen beeinträchtigen. Nun, die physikalische Stichhaltigkeit des Rezepts sei nicht untersucht. Überdies ist das Problem der Wärmedehnung mit modernen Bremsen, zumal praktisch fadingfreien Scheibenbremsen kaum noch akut.

 

Wie aber bremst man im äußersten Notfall am besten?

Zum Möglichst-schnell-Stopp wird meist „voll in die Klötzer" gestiegen. Solche Vollbremsung, wobei blockierende Räder auf trockener Fahrbahn schwarze Spuren hinterlassen, ist eine sehr menschliche Reflexreaktion. Sie bringt jedoch keine optimalen Bremsergebnisse.

 

Auch die zuweilen empfohlene „Stotter-bremsen"-Regel, während der Verzögerung das Bremspedal immer wieder kurz loszulassen, ist nicht die beste Methode. Das bewiesen speziell gefahrene Tests bei unterschiedlichen Straßenbelagverhältnissen. Einzig auf ganz glatter Fahrbahn war der Bremsweg bei sogenannt Stotterbremsen kürzer als per Vollbremsung. In allen anderen Fällen aber brachte die dritte Bremsmethode die weitaus besten Ergebnisse, nämlich das gefühlvoll dosierte Bremsen ohne Radblockieren.

 

Was dabei zählt, ist nicht nur der kürzeste Bremsweg. Im Ernstfall noch entscheidender ist, daß bei solchem „Gefühlbremsen" (ähnlich wie beim freilich ebenfalls Übung und Überwindung kostenden Stotterbremsen) der Wagen nicht seitlich unkontrolliert ausbrechen kann und lenkfähig bleibt, so daß schlimmstenfalls womöglich noch ein harmloserer Fluchtweg eingeschlagen oder das Hindernis unbeschadet umfahren werden kann. Das soll ein Hinweis sein, nicht mehr und nicht weniger.