Wartburg 353W in Serie (Signale 1975-3)

AWE-Panorama I/75

 

Nachdem der VEB Automobilwerk Eisenach noch vor Ablauf des Jahres 1974 mit einer Warenproduktion im Werte von 1 Milliarde Mark die Erfüllung von Plan und Gegenplan sowie das absolut beste Produktionsergebnis in der gesamten bisherigen Entwicklung des Betriebes bilanzieren konnte, sind die Eisenacher Automobilwerker mit neuen Initiativen und vielen Verpflichtungen in einen neuen entscheidenden Produktionsabschnitt eingetreten.

 

 

Alle Anstrengungen sind darauf gerichtet, den Plan 1975, der die abermals gesteigerte Warenproduktion im Werte von 1 Milliarde 35,6 Millionen Mark vorsieht, im letzten Jahr des laufenden Fünfjahrplans allseitig zu erfüllen und überzuerfüllen. Damit wird beigetragen, die vom VIII. Parteitag der SED beschlossene Hauptaufgabe erfolgreich zu verwirklichen und im Hinblick auf den IX. Parteitag gerüstet zu sein für die Entwicklung im Fünfjahrplan 1976 bis 1980.

 

Am 14. Januar waren von der Vertrauensleutevollversammlung mit dem Kollektivvertrag und dem Beschluß zur Führung des sozialistischen Wettbewerbs im Jahre 1975 die beiden wichtigsten Dokumente des Betriebes bestätigt worden. Wie ausgehend von den besten Erfahrungen und auf der Grundlage zahlreicher Verpflichtungen der Werktätigen weitere Reserven für ein schnelleres Wachstumstempo der Produktion erschlossen werden können und die anspruchsvollen Aufgaben des Planes 1975 mit um 4,8 Prozent gegenüber 1974 erhöhter industrieller Warenproduktion zu realisieren sind, dafür hat die 13. Tagung des ZK der SED Maßstäbe gesetzt. So wird der sozialistische Wettbewerb 1975 unter der bewährten und populären Losung „Aus jeder Mark, jeder Stunde Arbeitszeit, jedem Gramm Material einen größeren Nutzeffekt" in seinem grundsätzlichen Inhalt und in der Hauptrichtung geprägt von weiterer Intensivierung auf breiter Front. Abgesteckt sind dabei Senkungen des Arbeitszeitaufwandes um 395 000 Effektivstunden und der Selbstkosten um 5,8 Mio Mark durch Steigerung der Arbeitsproduktivität durch Erhöhung der Effektivität.

 

Weiter haben sich die Automobilwerker das Kampfziel gestellt, die staatliche Aufgabe in der industriellen Warenproduktion um 4 Mio Mark zu überbieten.

Die in 2911 persönlich- und 186 kollektiv-schöpferischen Plänen übernommenen Verpflichtungen zur umfassenden Durchsetzung der sozialistischen Rationalisierung, der effektiveren Gestaltung der Produktion und der Materialökonomie fanden und finden ihren Ausdruck auch in „Garantieerklärungen '75".

In dieser Aktion wurden Garantien für Initiativen gegeben, die sich nach dem Stand per Anfang März bereits niederschlagen in 2,6 Mio Mark Selbstkostensenkung, davon rund 1 Mio Mark Materialkosten, einer Arbeitszeiteinsparung von 113 000 Stunden sowie der Einsparung von 31 Arbeitskräften in den produktionsvorbereitenden Abteilungen.

Das I. Quartal 1975 wurde abgeschlossen mit einem erarbeiteten Planvorsprung von 2,4 Mio Mark.

Dieser Tatbestand ist um so höher zu bewerten, als hier nicht allein das kontinuierliche Steigern laufender Produktion zählt.

Im genannten Zeitabschnitt war die Umstellung der Produktion auf den WARTBURG 353 W vorzubereiten und durchzuführen.

Die umfangreichen Veränderungen am Wagen verursachten zwangsläufig Probleme bei der Serieneinführung. Daher wurde entsprechend der hohen Bedeutung einer termin- und qualitätsgerechten Produktionsumstellung vom AWE-Betriebsdirektor ein Überleitungskollektiv gebildet. Dessen Hauptfunktion war, unter Leitung des Direktors für Technik und zusammen mit Leitern und Mitgliedern unmittelbar beteiligter Direktionsbereiche und Hauptabteilungen alle Koordinierungsaufgaben innerhalb und außerhalb des Werkes durchzusetzen.

So erfolgte Anfang März planmäßig und ohne Unterbrechung der Produktion der Übergang zur Serienfertigung des WARTBURG 353 W.

Den WARTBURG 353 W kennzeichnen wesentliche Verbesserungen, die über den Rahmen permanenter Qualitätsoptimierung hinausgehen und für den 353 W die Bewertung als auf bewährtem Konzept basierende neue Modellgeneration rechtfertigen.

Daß mit dem WARTBURG 353 W tatsächlich eine echte Typenveränderung stattfand, bestätigt auch die vom MDI, HA Verkehrspolizei, vorgenommene Festlegung, wonach grundsätzlich keine 353er zugelassen werden, die nachträglich mit Scheibenbremsen ausgerüstet werden.

Die WARTBURG 353 W, die jetzt aus der AWE-Serienproduktion kommen, sind in sämtlichen Einzelheiten identisch mit den Modellen, wie sie zur Leipziger Herbstmesse 1974 vorgestellt wurden. Die einzige Ausnahme besteht hinsichtlich der H-4-Hauptscheinwerfer, die aus produktionstechnischen Gründen vorerst nicht Ausrüstungsbestandteil sind.

Durch die Neuheiten am WARTBURG 353 W erhöht sich der Gebrauchswert des Fahrzeugs erheblich. Dazu Betriebsdirektor Hellbach: „Dies entspricht voll den Beschlüssen unserer Partei und Regierung zur laufenden Verbesserung der Versorgung unserer Bevölkerung mit hochwertigen Konsumgütern."

 

Investitionen

Ein planmäßig heranwachsender Neubau ist Bestandteil des derzeit größten Investkomplexes im Werk, dem Motorenbau W 1. Auf dieses Rationalisierungsvorhaben mit einem Investitionsaufwand von nahezu 14 Mio Mark konzentrieren sich die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel und materiellen Kapazitäten.

Das Projekt ist abgestimmt mit der perspektivischen Entwicklung des Betriebes. Es bedeutet die Erneuerungsinvestition für die Transferstraßen in der jetzigen Motorengehäusefertigung und ergibt nach der Durchführung erhöhte Produktion sowohl für das Finalerzeugnis als auch für Ersatzmotoren. Zugleich werden die Arbeits- und Lebensbedingungen weiter verbessert.

Die 92 m lange Produktionshalle in Stahl-betonmontagebauweise mit Satteldach nimmt alle erforderlichen Produktionsausrüstungen für die vorgesehene Motorengehäusefertigung auf. Der technologische Ablauf wird durch Einsatz von 2 Transferstraßen sowie Rollförder- und Doppelbahnkreisförderanlagen weitestgehend mechanisiert und automatisiert und ergibt bei dem erreichten Automatisierungsgrad und Auslastung der hochproduktiven Grundmittel im 3-Schichtbetrieb ein Effektivitätsoptimum.

Die Erkenntnisse der wissenschaftlichen Arbeitsorganisation und der Sicherheitstechnik sind umfassend berücksichtigt. Generelle Verbesserungen der Arbeits- und Lebensbedingungen der Werktätigen bringen außerdem die vorgesehenen Einrichtungen, die in einem an die Produktionshalle angeschlossenen Geschoßbau untergebracht sind.

Parallel zur Fertigstellung des Baues beginnt bereits die Montage der Produktionsausrüstungen. Terminziel ist die Aufnahme der Produktion der 353er Motorengehäuse schon Ende 1976.