Materialökonomie im AWE (Signale 1975-2)

Das 13. Plenum des ZK der SED steckte zu verstärkter Intensivierung und dem Erschließen von Reserven in größeren Dimensionen auch neue Maßstäbe für die Materialökonomie. Entsprechende Aktivitäten sind Bestandteil des beschlossenen Wettbewerbsprogrammes der Eisenacher Automobilwerker. Zur Gemeinschafts-aktion „Garantieerklärungen '75" teilte die Hauptabteilung Materialwirtschaft des VEB Automobilwerk Eisenach mit, daß bis zum 30. Jahrestag der Befreiung für 300 000 Mark Reserven an Material zusätzlich erschlossen und der weiteren Verwendung zugeführt werden.

 

Rohstoffprobleme sind weltweit von akuter Bedeutung und ein erstrangiger Fragenkomplex. Ebenfalls in der DDR werden Wachstumstempo und Effektivität der Produktion zunehmend von der Rohstoffsicherung bestimmt. Dazu Staatssekretär Dr. Haase im Ministerium für Materialwirtschaft: „Angesichts der Tatsache, daß neue Roh- und Werkstoffe nur in begrenztem Umfang zur Verfügung stehen, muß vor allem in der Erhöhung der Materialökonomie eine notwendige Quelle zur Deckung des wachsenden Materialbedarfs der Volkswirtschaft gesehen werden."

 

Rohstoffe sind außerdem ein Kostenfaktor. Importmaterial aus kapitalistischen Staaten unterliegt den dort vorgenommenen, drastisch heraufgeschraubten Preissteigerungen.

 

Unabhängig davon wird aber auch in der DDR die Gewinnung von Bodenschätzen ständig komplizierter. Gleiches gilt für die verfügbaren Rohstoffressourcen in der ganzen sozialistischen Staatengemeinschaft, wo für Erschließen und Abbau neuer Rohstoffe erheblich zunehmender Investitionsaufwand erforderlich wird.

 

Sicher ist es nicht möglich, im Automobilwerk Eisenach durch die laufende Produktionssteigerung insgesamt weniger Rohstoffe zu verwenden. Das lassen die geplanten Steigerungsraten der Produktion nicht zu. Es kommt vielmehr ausschlaggebend darauf an, aus den gegebenen Rohstoffen und Materialien mehr und Besseres herauszuholen.

 

Ausgehend davon, daß in der Herstellung 68 Prozent der Kosten Materialkosten sind, würde allein eine Senkung um 1 Prozent mit einem Millionenbetrag zu Buche schlagen. Nur ist die Kernfrage, ob und wie hier überhaupt noch eingespart werden kann. Tatsache ist, daß der WARTBURG 353 bereits seit Jahren Tag für Tag bezüglich Materialeinsatz intensiv durchforscht wird.

 

Daß die Eisenacher Automobilwerker jetzt erst recht den Kampf um jedes Gramm —ebenso wie um jede Sekunde und jeden Pfennig — fortführen, das dokumentieren ihre „Garantieerklärungen '75". Ein Beispiel nur von der Massenaktion im Werk: Das DSF-Kollektiv der Abteilung 1650 aus dem Produktionsbereich Endmontage fährt pro Schicht 2 Wagen mehr, realisiert gleichzeitig 1068 Normstunden Zeitsenkung und verbessert durch verstärkte Anwendung des Saratower Systems die Kennziffer Qualität.

 

Hierzu sei gleich noch angemerkt, daß die WARTBURG-Erzeugnisqualität gleichfalls als gewichtiger Faktor nicht nur in der AWE-Materialökonomie zu werten ist. Denn die Zuverlässigkeit, lange Laufzeit, geringer Wartungsbedarf des Wagens schlagen durch bis zu volkswirtschaftlich wertvollen Einsparungen an Ersatzproduktion, Ersatzteilen und Werkstatt-Zeitaufwand. Das zählt natürlich nicht zuletzt auch für jeden Nutzer.