Zeit und Gewinn (Signale 1974-5)

Fakten im Blickfeld

 

In der SIGNALE-Ausgabe 3 berichteten wir von der im Werk ausgelösten 10-Minuten-Bewegung. Ergänzend dazu sei noch festgestellt, daß Ende April bereits 360 000 Stunden Zeitsenkung mit Ideen und Maßnahmen belegt waren, 22 000 Stunden mehr, als für den diesjährigen Plan notwendig sind.

Aber da ist noch der Gegenplan der Eisenacher Automobilwerker mit der Zielstellung einer erheblichen Mehrproduktion von WARTBURG 353 und Ersatzteilen. Das bedeutete damals, ebenfalls Ende April, weitere 53 000 Stunden Zeitsenkung zu erschließen.

 

Was alles steckt nun dahinter, war oder ist mit der Buchung von Minuten und Stunden jene Aktion Zeitgewinn abgeschlossen?

 

Dazu AWE-Betriebsdirektor Hellbach: „Es gilt, die Ideen und Maßnahmen Monat für Monat in Warenproduktion für Plan und Gegenplan umzumünzen. Also bleibt Zeitgewinn auf der Tagesordnung, und Zeitgewinn haben wir von vornherein nicht als eine zeitweilige, nur auf den Wettbewerb 1974 zugeschnittene Aufgabe verstanden. Im Sinne der Ökonomie der Zeit betrachten wir Zeitgewinn als ein ständiges Erfordernis sozialistischen Wirtschaftens. Das hat auch Konsequenzen für die Vorbereitung des Planes 1975. Zum ersten Mal wollen wir erreichen, bis zum 7. Oktober bereits 75 Prozent der im kommenden Jahr erforderlichen Zeitsenkung mit Maßnahmen zu belegen. Damit wollen wir für den notwendigen Vorlauf im letzten Jahr des Fünfjahrplanes sorgen und künftig noch größere Kontinuität erreichen." Diese Aussage und erst recht die Realisierungen, sei es im Werk selbst oder in anderen Betriebskollektiven, wo die Eisenacher Initiativen ebenfalls Zeitgewinn-Aktionen ausgelöst haben, gehen ganz einfach von der Tatsache aus: In immer wieder neu geschaffenem Zeitgewinn liegt der Schlüssel zum Erfolg bei der Steigerung der Arbeitsproduktivität — überhaupt geht es um das wirksame Praktizieren eines der wesentlichen strategischen Grundsätze unserer ökonomischen Politik oder politischen Ökonomie. Und zwar entsprechend dem von Karl Marx formulierten Gesetz der Ökonomie der Zeit!

 

Allein schon aus solcher Komplexität ergeben sich mehrere Aspekte und Ansatzpunkte. Das heißt, richtige Ausnutzung der pro Arbeitskraft festgelegten Arbeitszeit, dies als einer objektiven Größe, ist eine Sache des ökonomischen Nutzens zur Durchführung der vom VIII. Parteitag der SED gestellten Hauptaufgabe. Davon ausgehend gilt Zeitgewinn —jetzt ganz speziell bezogen auf das Erzeugnis WARTBURG 353 — allerdings auch nicht lediglich für die unmittelbaren Fertigungsbereiche im Werk, ob Schmiede oder Karosseriebau, Montage oder was sonst. Denn einmal besteht jeder WARTBURG, ehe er die Eisenacher Produktion durchläuft, aus einem Anteil vorher bereits vergegenständlichter Arbeit, der Zulieferungen, Materialien, Energieträger, Maschinen usw. Auch bei dieser zuvor vergegenständlichten Arbeit und im Umgang mit ihr bedarf es demnach des Zeitgewinns, um zu erhöhter Effektivität der Produktion zu gelangen. Oder es ist in jedem Falle, ob bei Zulieferungserzeugnissen oder in der Finalproduktion, auf hohe Qualität zu achten; in der Arbeitszeit produzierte schlechte Qualität ist (selbst wenn sie für den Käufer oder Benutzer während der Garantiedauer vielleicht keinerlei ökonomische Nachteile birgt) stets ein volkswirtschaftlicher Verlust. Wie in den produzierenden Abteilungen steht zum anderen die Frage der effektiven Ausnutzung der Arbeitszeit ebenso dringlich in den produktions-vorbereitenden Abteilungen, in Forschung und Entwicklung, in der Konstruktion, der Technologie usw., wo ein Großteil des Nutzens schon aufbereitet wird oder werden muß, der sich dann in eingesparter Arbeitszeit niederschlägt. Schließlich jedoch hängt das Vermeiden von Ausfallzeiten in bedeutendem Maße davon ab, wie durch wissenschaftliche Arbeitsorganisation, wie durch die Tätigkeit der Leiter und Leitungen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, daß alle Arbeitskräfte auch in der Lage sind, ihre Arbeitszeit voll auszunutzen.

 

So umfassend steht es also mit dem Zeitgewinn, und gemäß derartigen Erkenntnissen sehen Schlußfolgerungen und Konsequenzen im VEB Automobilwerk Eisenach aus.

 

Da ist mittlerweile Tatsache, daß der Zeitgewinn nicht allein als interne Angelegenheit in diesem und jenem Produktionsbereich auf­gefaßt wird, sondern vielmehr vom gesamten Werkskollektiv in Angriff genommen ist, daß die Steigerung der Leistungsfähigkeit von Wissenschaft und Technik erstrangig behandelt wird und das langfristige Intensivierungsprogramm ebenfalls mit auf Zeitgewinn abzielt. Und daß darüber hinaus, um noch einen der vorhin erwähnten Aspekte aufzugreifen, die Eisenacher Automobilwerker ihre Zeitgewinn-Erfahrungen auch nach außen hin austauschen und weitergeben. Das bringt den beteiligten Partnern in der WARTBURG-Produktion Nutzen, der allen zugute kommt.

 

Auf diese Weise werden Garantien für den notwendigen zusätzlichen Zeitgewinn geschaffen. Genau das aber hat Gewicht für die Erfüllung des Planes und Gegenplanes 1974 der Produktion WARTBURG 353 und — im großen und ganzen gesehen — für dynamisches Wachstum unserer sozialistischen Wirtschaft auf lange Sicht.