25 Jahre DDR (Signale 1974-4)

Eisenacher Werkshalle 1945

...und der Eisenacher Automobilbau

 

„Heute ist ein großer Tag in der Geschichte eures Betriebes und seines hervorragenden Arbeitskollektivs." Dies erklärte der Kandidat des Politbüros des ZK der SED, Genosse Günther Kleiber,

AWE-Werkshalle 1974Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrates der DDR und Minister für Allgemeinen Maschinenbau, Landmaschinen- und Fahrzeugbau, am 8. Februar dieses Jahres anläßlich der Auszeichnung des VEB Automobilwerk Eisenach mit dem Karl-Marx-Orden für hervorragende Leistungen zur Stärkung der DDR und die Ergebnisse bei der Verwirklichung der von Partei und Regierung gestellten Aufgaben. Die zitierte Wertung und die Würdigung mit der höchsten Auszeichnung der Republik umreißen bezeichnende Fakten kontinuierlich vollzogener Fortschritte im Eisenacher Automobilbau als Ausdruck und Bestandteil der Entwicklung der DDR seit Gründung unseres sozialistischen Staates der Arbeiter und Bauern vor einem Vierteljahrhundert.

 

Das Eisenacher Werk gehört zu den traditions-reichsten Automobil-Herstellern der Welt. Bereits vor der Jahrhundertwende entstanden die ersten Wartburg-Motorwagen. Tatsache ist aber ebenfalls, daß gerade während der zu-rückliegenden 25 Jahre — im jetzt ausschlaggebenden jüngsten Drittel der gesamten Werkgeschichte — die gravierendsten Fortschritte erzielt wurden und Effektivitätssteigerungen wie nie jemals zuvor.

 

Die dialektische Erklärung dafür ist die Einführung sozialistischer Produktionsverhältnisse, die gesamte gesellschaftliche und seit dem VIII. Parteitag der SED in eine neue Etappe eingetretene Entwicklung der DDR im festen Bündnis mit der Sowjetunion und den anderen sozialistischen Staaten.

 

Daraus erwuchsen seit 1945 die heutigen Positionen des Eisenacher Automobilbaues der Gegenwart. Hier bilanzieren sich die schöpferischen Initiativen und Leistungen der Werktätigen in wertvollen Beiträgen zur Stärkung der Volkswirtschaft der DDR und in der markanten Entwicklung moderner Personenkraftwagen.

 

Ausgegangen wurde jedoch von einem Nullpunktstadium.

Am Ende des zweiten Weltkrieges war das Werk zum größten Teil zerstört. Aber schon im Herbst 1945 begann auf Veranlassung der da-maligen SMAD eine Wiederaufnahme der Automobilproduktion mit dem Vorkriegsbaumuster 321, und als Zweigbetrieb der SAG Awtowelo tat das Werk mit sowjetischer Hilfe und Unterstützung die ersten Schritte zum sozialistischen Großbetrieb. Im materiellen Bereich wurden vordringlichste Probleme gleichzeitig in Angriff genommen und Schritt für Schritt bewältigt, so die Trümmerbeseitigung, Wiederherstellung und Neuaufbau von Fertigungsstätten, Steigerung der angelaufenen Produktion und Erweiterung des Typensortiments.

 

Als 1949 neben den Personenkraftwagen Typ 321 und 327-2 sowie dem Motorrad R 35 der weiterentwickelte 2-Liter-55-PS-Typ 340-2 erstmals vom Band lief, befanden sich die Anlagen und Einrichtungen des Werkes, verglichen mit dem Vorkriegsumfang, bereits in einem Neuaufbauzustand von 75 Prozent.

 

Am 5. Juni 1952 fand dann die Übergabe des wieder voll produzierenden Betriebes in das Volkseigentum der DDR statt.

Ein Jahr später erfolgte der für die folgende Etappe der Modellprofilierung kennzeichnende Wandel zur heute so ausgeprägten Erzeugnisstruktur. Damals übernahm der VEB Automobil-werk Eisenach im Zuge von gezielt auf Stückzahlsteigerungen und Standardisierung zeit-gerechter Typenprogramme orientierter Schritte der DDR-Kraftfahrzeugindustrie die Produktion des IFA F 9.

 

Anschließend wurde neben der konstruktiven Verbesserung des IFA F 9 sofort vom Werk die Neuentwicklung zum Baumuster 311 durchgeführt, das schon im Herbst 1955 im Rahmen der Nullserienerprobung zur Rallye Wartburg seine erste sportliche Bewährungsprobe ausgezeichnet bestand und 1956 zur Leipziger Frühjahrsmesse der Öffentlichkeit als Wartburg 311 vorgestellt wurde.

 

Damit hatte weit mehr als lediglich ein neuer Typ eingesetzt.

Der Übergang zum Wartburg 311 war schon damals die Abkehr von einer Bauweise, die heute allgemein als konventionell bezeichnet wird, und jener Generationswechsel zum gebrauchstüchtigen, großformatigen Frontantriebswagen der unteren Hubraummittelklasse setzte bereits neue Maßstäbe im europäischen Automobilbau. Man erinnere sich, daß zu jener Zeit sich die sogenannte „Tausender"-Hubraumklasse herauszubilden begann und dort erst noch vornehmlich die Hecktriebsatz-Konzeption praktiziert wurde.

 

Synchron zur konstruktiven Neuprofilierung wurde im Werk innerhalb der Produktion eben-falls eine neue Entwicklungsphase eingeleitet, technologisch gekennzeichnet durch verstärkt einsetzende Mechanisierung und zunehmende Automatisierung. Beispielsweise entstand für die von 1959 an erfolgende Kunstharzlackierung eine neue Lacktaktstraße, eine neue Galvanik wurde aufgebaut, im Getriebe- und Motorenbau gelangten im Werk entworfene und hier gebaute teil- und vollautomatische Sondermaschinen zum Einsatz, mehr und mehr prägten moderne Produktionsmittel, Transferstraßen, komplexe Fördersysteme und Fließstrecken das technologische Bild bei den Herstellungsprozessen.

 

 

Gleichzeitig erfolgte der Aus- und Neubau vor-bildlicher sozialer Einrichtungen für alle Werks-angehörigen.

Die derartigen und fortwährenden Fortschritte in Konstruktion, Technologie und Produktion dokumentieren sich erst recht seit Anlauf und mit der Entwicklung des WARTBURG 353, der gerade jetzt wieder erneuter Vervollkommnung zugeführt worden ist und dessen Fertigungsmenge und Herstellungsqualität kontinuierlich anwachsen: 1973 wurde bereits in 10 Monaten die gleiche Stückzahl WARTBURG 353 erzeugt wie im ganzen Jahr 1970.

 

Diese Zuwachsraten erzielen die Eisenacher Automobilwerker bei Intensivierung der Produktion durch konsequent verwirklichte sozialistische Rationalisierung in voller Breite und die planmäßige Anwendung der Ergebnisse von Wissenschaft und Technik. Wie und daß sich dabei zugleich direkt die Arbeits- und Lebensbedingungen verbessern, erweist sich innerhalb der Produktion und zum Beispiel an dem voriges Jahr den Eisenacher Automobilwerkern übergebenen neuen Sozialgebäude. Für 1974 lautet die Wettbewerbsverpflichtung der Werktätigen des Betriebes, wie seit Jahren abermals alle Planaufgaben voll zu erfüllen und im Gegenplan mit zusätzlich 1000 WARTBURG 353 und für 1 Million Mark Ersatzteile mehr zu überbieten.

 

Damit überschreitet die Gesamtproduktion des Werkes erstmals in der Geschichte des Eisenacher Automobilbaues die Milliardengrenze!