Pfadnavigation

Luftverpestung (Signale 1973-6)

Luftverpestung (Signale 1973-6)

Gespeichert von Stephan am Di., 31.12.1974 - 20:34

Kommentar-Themen zu Automobil-Perspektiven. Diesmal LUFTVERPESTUNG

 

Letzthin erwähnten wir, daß, teils offen oder versteckt und mit pseudowissenschaftlichen Äußerungen kaschiert, von Publikationsorganen in verschiedenen Ländern Attacken gegen das Auto geführt oder zumindest Diskussionen um die Zukunft des modernsten individuellen Verkehrsmittels angeheizt werden

— sofern man auf solcher Linie überhaupt gedenkt, dem Automobil weitere Existenzchancen einzuräumen, Etwa die französische Zeitschrift „L'Expansion" fühlte sich nach einer Umfrage an namhafte Herstellerwerke über das Auto im Jahre 2000 und die ziemlich übereinstimmenden Antworten, es sei so ähnlich beschaffen wie heute, zu der arroganten Kritik bemüßigt: „Eine derartige Unwissenheit in einer derartigen Industrie, das ist ernst."

Dessen ungeachtet betreibt die Automobilindustrie tatsächlich ernsthaft die ständige Vervollkommnung des Personenkraftwagens.

Dies geschieht im Zuge konsequenter Weiterentwicklung, angepaßt an vernunftgemäße und realisierbare Ansprüche und, so muß allerdings klar ebenfalls definiert werden, unter kapitalistischen Verhältnissen nach anderen Beweggründen als in den sozialistischen Ländern. Hier ist technische Weiterentwicklung integrierter Faktor der Beziehungen zwischen Individuum und Gesellschaft, Ökonomie, Verkehr und Umwelt; dort dient sie letztlich privatkapitalistischen Profitinteressen.

Es ist kein Geheimnis, daß die im Komplex der sogenannten Abgasentgiftung in den USA formulierten Vorschriften an den dort produzierten großvolumigen und niedrig belasteten Motoren relativ leicht erfüllbar waren und ein Manipulierinstrument darstellten, die zunehmend am eigenen Gewinn zehrende Konkurrenz überseeischer Importmarken einzudämmen oder abzudrosseln.

Im Hinblick auf Umweltbeeinflussung, rapide anwachsende Motorisierung in den sozialistischen Ländern, auf Wettbewerbsfähigkeit im Export und einschlägige ECE-Bestimmungen spielt aber auch unsererseits die Abgasentgiftung eine wichtige Rolle.

 

Wie ist indessen die Lage zu beurteilen?

Nun, ein prominenter Experte soll einmal gesagt haben, man möge sich bitte bloß den Grad unaussprechlicher Verschmutzung vorstellen, wenn jeder, statt motorisiert, den heutigen Stadtverkehr per Pferd erledigen würde. Wissenschaftlich ist solche hypothetische Argumentation freilich nicht, aber sie enthält doch einen nachdenkenswerten Kern. Fest steht außerdem, daß ein einziger Zug aus der Zigarette dem menschlichen Körper mehr Gift zuführt als Verweilen an einer stark frequentierten Großstadt-Straßenkreuzung.

Damit sollen Abgasprobleme bestimmt nicht vom Tisch gewischt werden.

Im gleichen Zusammenhang befindet sich seit geraumer Zeit das „giftfreie" Elektroauto im Gespräch. Ob die gleichsam nur verlagerte, konzentrierte Energieerzeugung in den Kraft-werken umweltfreundlicher wäre, sei noch da-hingestellt. Weit ausschlaggebender ist, dies zur Sichtaufhellung, daß trotz vielfältiger Bemühungen der Elektrowagen aus verschiedenen Gründen auch morgen noch nicht das konventionelle Automobil verdrängen kann, selbst wenn es sich bloß um Kurzstreckenbetrieb handeln sollte.

Bleiben wir also realistischerweise auf dem Boden gegenwärtig verfügbarer Tatsachen.

Um dazu, noch präziser, direkt von eigens geschaffenen Sachverhalten zu sprechen: Der Motor im WARTBURG 353 — wie auch immer die Zweitakterzukunft aussehen mag — stellt sich bezüglich Schadstoffemission exakt nachweisbar als wesentlich günstiger heraus, als zuweilen angenommen wird, teils sogar viel unschädlicher als bei üblichen Viertaktmotoren. Vergleichsweise beträgt die Stickoxidemission (beim angewendeten Arbeitsverfahren infolge des Abgasgehaltes der Zylinderfüllung) nur ein Drittel der üblichen Werte, und bei der lufthygienisch ebenfalls bedeutungsvollen Kohlenmonoxidemission liegt mit durchschnittlich 80 g pro Fahrzyklustest der Wert auch noch weit unter den zulässigen 134 g CO.