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Wartburg in Großbritannien (Signale 1973-4)

Wartburg in Großbritannien (Signale 1973-4)

Gespeichert von Stephan am So., 26.08.1973 - 21:30
Das war 1971 bei der mit drei erstklassigen Plazierungen erfolgreich beendeten RAC-Rallye.

„The Daily Telegraph” berichtete im Dezember vorigen Jahres, „daß ein steigendes Interesse unter den auf Wirtschaftlichkeit bedachten Automobilisten am Wartburg besteht."

Abschließend heißt es im Test: „Schon allein wegen der Geräumigkeit und des Fahrkomforts muß der Wartburg als sehr guter Wert eingeschätzt werden."

 

Ein Blick in Wareneingang, Teilelager und Versand der GeneralvertreterfirmaMan braucht jetzt wohl kaum die technische Qualifikation, Eigenschaften und Vorzüge des Eisenacher Automobiltyps eigens herauszustellen. Indessen basiert darauf konkret der Markterfolg, den der WARTBURG 353 in Großbritannien zu verzeichnen hat. Vielleicht bedarf es hier noch des tieferdeutenden Zusatzes: auch und besonders in Großbritannien. Denn die mit den Fakten übereinstimmende Feststellung in „The Daily Telegraph", daß im WARTBURG-Export nach Westeuropa und Skandinavien — um das gegenüber den Ausfuhren nach Ländern im sozialistischen WI, schaftsgebiet abzugrenzen — Großbritannien an erster Stelle steht, ist zweifellos gleich-bedeutend mit einer aufschlußreichen Definition der internationalen Konkurrenzfähigkeit des WARTBURG 353.

 

Dazu einige Darlegungen.

ExportentwicklungGroßbritannien mit rund 55 Millionen Einwohnern gehört zu den hochentwickelten kapitalistischen Industrieländern. In allen Wirtschaftsbereichen bestehen starke Konzentrationen in Form von Großmonopolen. Symptomatisch für Großbritanniens Außenhandel ist, daß der Import den Export ständig übersteigt. Restriktionen wie hohe Einfuhrzölle sollten diesem Trend ebenso steuern wie Pfundabwertungen zu Ausfuhrsteigerungen. In gleichem Zusammenhang steht auch der Anschluß Großbritanniens an die EWG. Dieser ganze Sachverhalt wobei noch auf die hohe Motorisierungsquote mit gegenwärtig über 10 Millionen Personenkraftwagen hinzuweisen ist, gilt in speziellem Maße gleichfalls für den britischen Automobilmarkt. Das heißt, zu großer Eigenproduktion treten forcierte Automobilimporte aus Europa, den USA und Japan in schärfsten Wettbewerb.

 

Die britische Automobilindustrie ist selbst mit einer Jahresproduktion von mehr als 1,7 Mill. Einheiten drittgrößter PKW-Hersteller Europas. British Leyland als größter Konzern bestreitet vor allem mit Massenwagen allein etwa 50 Prozent der britischen Automobilproduktion und hat mit eingesessenen Tochterunternehmen der drei großen nordamerikanischen Konzerne stärkste heimische Kontrahenten. Hinzu kommen forcierte Anstrengungen großer ausländischer Automobilindustrien. Insgesamt umfaßt der Import ausländischer Wagen etwa ein Viertel bei den britischen Neuzulassungen, wobei drei Marken mit Großserienproduktionen

 

Frankreich, Italien und der BRD, die zusammen etwa 10 Prozent des britischen Neuwagenmarktes erreichen, in hartem Rennen um die Spitzenreiter-Importquoten dicht beieinanderliegen. Dies mag hinreichend die Konfrontation mit prominenter Konkurrenz skizzieren, der sich der WARTBURG 353 in Großbritannien zu stellen hat.

 

Automobile aus Eisenach genießen jedoch auf der Insel schon länger sehr guten Ruf.

Den Import begann seinerzeit das General­vertretungsunternehmen, die Firma Industrial Ltd. in London, bereits mit dem Wartburg 311 und erzielte damit schon beachtliche Verkaufsergebnisse. Ein sprunghafter Anstieg der Exponate nach Großbritannien fand aber statt, nachdem in der Eisenacher Produktion der Typ WARTBURG 353 eingesetzt hatte. Technisch abweichend vom Normalmodell waren und sind diverse, im Werk vorgenommene Umrüstungen, da Großbritannien noch eines der wenigen Länder mit Linksverkehr ist. Freilich ist auch für Großbritannien, gültig wohl für jeden Automobilmarkt unter kapitalistischen Verhältnissen und zutreffend auf alle konkurrierenden Bewerber dort, nicht unbedingt eine an Zahlen ablesbare Kontinuität  im Export zu registrieren. Dennoch ist mit Bestimmtheit eine fortwährende Festigung der WARTBURG-Positionen erfolgt. Grundlage dazu, neben den vom WARTBURG 353 ohnehin mitgebrachten Voraussetzungen, bildete der ständige Ausbau des Servicenetzes im Zusammenwirken mit der Kundendienstorganisation des Werkes. Vor Jahren schon wurden in diesem System 130 Stationen gezählt. Starthilfen und Vorschub leisteten außerdem die Einsätze und das erfolgreiche Abschneiden der Werksequipe auf WARTBURG 353 bei der RAC-Rallye Großbritannien, einem der schwersten europäischen Tourenwagenwettbewerbe. Keineswegs zuletzt aber ergaben verstärktes Engagement und intensivierte Tätigkeit neuer Führungskräfte in der britischen Generalvertretung den bereits für 1973 fixierten absoluten Rekord in der Westeuropa-Ausfuhr WARTBURG 353 sowie dessen Export nach Großbritannien.

 


Titelbild: Das war 1971 bei der mit drei erstklassigen Plazierungen erfolgreich beendeten RAC-Rallye.

Bild unten: Ein Blick in Wareneingang, Teilelager und Versand der Generalvertreterfirma