600 + 1 (Signale 1972-3)

Neue vorbildliche Initiative der Eisenacher Automobilwerker

Als sich Ende März bereits eine erfolgreiche Quartalsbilanz in der Planerfüllung des VEB Automobilwerk Eisenach abzeichnete, entwickelten die Produzenten des WARTBURG 353 abermals neue Initiativen auf dem Hauptfeld des schöpferischen Wirkens der Werktätigen dem sozialistischen Wettbewerb,

der Neuererbewegung und der sozialistischen Gemeinschaftsarbeit. Die Eisenacher Automobilwerker erhöhen das Tempo der Rationalisierung und übernehmen in Auswertung der Beschlüsse des VIII. Parteitages der SED die Verpflichtung, bis zum Jahresende 600 Personenkraftwagen WARTBURG 353 sowie für eine Million Mark Ersatzteile zusätzlich zum Plan 1972 herzustellen. Das Wetteifern der Werktätigen im Betrieb um kontinuierliche und stabile Planerfüllung soll seinen Niederschlag finden in einer Realisierung der Planaufgaben zu Prozent der industriellen Warenproduktion und 51,7 Prozent in der Ersatzteilproduktion per 30. Juni dieses Jahres.

 

„600 + 1" — und dieses Symbol trifft man jetzt überall im Werk, an jeder Arbeitsstätte — ist weder eine simple Rechenaufgabe noch eine Formel, die ein mehr oder weniger iso­liertes und irgendwie in sich abgegrenztes, einmaliges Vorhaben bezeichnet. Sondern „600 + 1" bedeutet vielmehr eine Aktion, die in ihrer Zielstellung dauerhaft quantitativ neue Maßstäbe steckt und die umfassend neue Qualität in der gesamten Arbeit der Eisenacher Automobilbauer zum Ausdruck bringt. Denn die Mehrleistung von 600 Personenkraft­wagen WARTBURG 353 und von Ersatzteilen im Werte von einer Million Mark ist tatsächlich ein komplexes Spiegelbild sozialistischer Denk-und Verhaltensweisen der Werktätigen als sozialistische Eigentümer sowie der kennzeich­nenden Entwicklungen im Produktionsprofil des VEB Automobilwerk Eisenach.

 

Grundlagen und Ausgangspunkte

„600 + 1" orientiert also, sieht man zunächst lediglich die Zahlen, auf Mehrproduktion über die vorgesehenen Planziffern hinaus.

 

Den Anstoß für diese neuen Ziele, die bei von vornherein schon keinesfalls „weichen" Planaufgaben ohne zusätzliche Sonderschichten und Überstunden erreicht werden sollen, gaben charakteristische Überlegungen der Eisenacher Automobilwerker.

 

Im Vordergrund standen und stehen dabei die Beschlüsse des VIII. Parteitages. Mehr Per­sonenkraftwagen WARTBURG 353 und zusätz­liche Ersatzteile sind ein Beitrag des Werkes, um der Bevölkerung mehr hochwertige Kon­sumgüter zur Verfügung zu stellen und die Dienstleistungen zu verbessern. Zugleich realisieren die Automobilbauer in Eisenach damit ein Stück der Hauptaufgabe des Fünfjahrplanes, die bekanntlich die schrittweise kontinuierliche Verbesserung des materiellen und kulturellen Lebensniveaus der Werktätigen vorsieht. Auswirkungen sind bereits offenkundig. Planerfüllung und dazu noch „600 + 1" lassen sich jedoch selbstverständlich nicht sozusagen aus dem Ärmel schütteln.

 

Die Überlegungen der Arbeiter, Angestellten, Ingenieure und des Leitungskollektivs im VEB Automobilwerk Eisenach konzentrierten und richten sich deshalb vor allem darauf, wie durch erhöhte Anstrengungen im Wettbewerb die sozialistische Rationalisierung beschleunigt und Überleitungszeiten von Forschungs- und Entwicklungsergebnissen in die Produktion verkürzt werden können. Gleichzeitig übernahm das Kollektiv der Hauptmechanik den Reparatureinsatz „rund um die Uhr", um besonders an hochproduktiven Maschinen und Anlagen Ausfallzeiten auf ein Minimum zu senken.

 

Ferner war eine weitere wesentliche Erfah­rung, die die Eisenacher Automobilwerker bei­zusteuern hatten, ausschlaggebend: Wer recht­zeitig überlegt, der braucht später nicht zu ha­sten — eine wichtige Erkenntnis, um das dem Fünfjahrplan entsprechende Schrittmaß einzuschlagen und beim Übergang zum Planjahr 1973 die dazu erforderliche Einlaufkurve zu erreichen.

 

Effektivitätskonferenz zeigte die Wege auf

Genau um dieses notwendige, dem Fünfjahrplan angepaßte Schrittmaß und um die engstens damit verbundene Aktion „600 + 1" ging es bei der Konferenz, die am 24. April im VEB Automobilwerk Eisenach stattfand. Diese Konferenz stellte aber nicht erst einen Startschuß dar, sondern wies bereits konkret die vernünftig und gewissenhaft vorbedachten Schritte, mit denen die Eisenacher Automobilwerker neue Initiativen für höhere Effektivität und gesteigerte Arbeitsproduktivität entwickeln. So wurden schon während der Vorbereitung in fünf Arbeitsgruppen Fragen der Materialwirtschaft, der Grundfondsökonomie, der Verwaltungsrationalisierung, der Wettbewerbsführung und weitere Probleme untersucht. Zusammen mit dem Gedankengut aus den 13 Rationalisierungskollektiven des Betriebes entstanden auf diese Weise neue Produktivitätsimpulse

 

Vorschläge und Verpflichtungen, um die zuvor schon in den 160 Kollektiven des Werkes diskutiert wurde, lagen stichhaltig auf dem Tisch der Konferenz, bei der 250 Arbeiter, Neuerer, Ingenieure, Partei- und Gewerkschaftsfunktionäre gemeinsam mit den Leitern und Vertretern von Zulieferbetrieben über die neuen Initiativen zur Durchsetzung höherer Effektivität berieten.

 

Dabei schilderte beispielsweise H. Seipelt, APO-Sekretär im Getriebebau, daß dort im Ergebnis zielstrebiger ideologischer Arbeit bis- her 220 Ideen für die sozialistische Rationalisierung entwickelt wurden. Alle Kollektive des Getriebebaues übernahmen die Verpflichtung, 659 Getriebe und 750 Radsätze zusätzlich ohne Überstunden zu fertigen. Wie durch den Übergang vom Handschweißen zum CO2- Schweißen eine wichtige Effektivitätsreserve erschlossen werden kann, legte J. Podijil aus dem Karosseriebau dar. EDV-Organisatorin E. Schad wies auf weitere Ergebnisse der Verwaltungsrationalisierung hin.

 

Das sind nur einige Beispiele, insgesamt Bei- spiele übrigens, mit denen die Eisenacher Automobilwerker abermals vorangingen und den Auftakt gaben für ähnliche Effektivitätskonferenzen in anderen Betrieben.

 

Mit Sicht auf das Ganze

Was somit bei der im VEB Automobilwerk Eisenach ausgelösten Aktion „600 + 1" unterm Strich steht und sein wird, ist weitaus mehr als allein die über den Plan produzierten 600 WARTBURG 353 und Ersatzteile für eine Million Mark.

 

Mit ihren neuen schöpferischen Initiativen, die weder über Nacht heranreiften noch ein einmaliges Vorhaben sind oder nur eine besondere Geste, legen die Automobilwerker auf Grund der höheren Planmäßigkeit der Arbeit im I. Quartal — und bereits mit dem Blick auf die Plandiskussion 1973 — ein andauerndes Tempo zu höherer Effektivität vor und schaffen Garantien in der ständigen Steigerung der Arbeitsproduktivität. Sie stellten sich selber die Frage, ob das am Jahresanfang beschlossene Wettbewerbsprogramm den neuen Anforde­rungen in jeder Hinsicht standhält. Indem sie sich so prüften, lenkten sie die Aufmerksam­keit aller auf Reserven und Möglichkeiten, die im Zuge der sozialistischen Rationalisierung und bei Intensivierung der Produktion ständig neu aufgedeckt werden.

 

Die Aktion „600 + 1" veranschaulicht dem­nach in vollem Umfange die wirksamen Bei­träge der Eisenacher Automobilwerker zu fort­währenden Effektivitätserhöhungen als Mittel zur immer besseren Befriedigung wachsender Bedürfnisse. Und dies ist Inhalt und Ziel des Fünfjahrplanes.