Es ist nicht alles schlecht (Signale 61-82)

Mal keine Wartburgs: Audi und VW vor der Garage

Alte Liebe rostet (nicht)

Im Dezember diesen Jahres wird mein Audi 80 Avant 20 Jahre alt und im Januar nächsten Jahres wird mein VW T4 24 Jahre alt werden. Beim Audi bin ich Erstbesitzer, beim Transporter der Vierte, seit 2001.

Die Autos wurden nie besonders gepflegt und standen mehr als die Hälfte ihres Lebens bei jedem Wetter draußen. Dafür haben sie erstaunlich gut die Jahre überstanden. Der Audi hat über 465.000 km und der Transporter über 255.000 km runter. Der Audi wird von einem 1,9 l TDI Motor angetrieben, der VW von einem 2,0 l Benzinmotor, was bei einem Transporter bemerkenswert ist.

So könnten beide Autos auf dem Weg zum Oldtimer sein. Reparaturen gab es kaum über das übliche Maß hinaus. Doch das Alter ist spürbar. Der Audi verschlang in diesem Jahr erstmals eine größere Summe für die TÜV-Reparatur. Der VW muckt beim Anlasser und irgendeinem Sensor, der die Gasannahme regelt. Da ich den Transporter nur als Reservefahrzeug nutze, ist das bis zum nächsten TÜV hinnehmbar.

Sehr viele Fahrerinnerungen verbinden mich mit den Autos, vornehmlich natürlich mit dem Audi. Die weitesten Reisen gingen nach Frankreich bis in die Bretagne und nach Italien bis nach Ligurien. Auf der Rückreise von diesem Urlaub gab ich das Lenkrad für 14 Stunden nicht aus der Hand, so gut ausgeruht und fahrgeil war ich. Einmal war ich mit dem Auto auch in Essen zur TC und hatte anschließend noch in einem Windpark in der Eifel zu tun. Auf dieser Fahrt habe ich ein Hörbuch in einer Neuübersetzung mit Hörspielcharakter von Homers "Ilias", einer alten griechischen Dichtung, bestehend aus 22 CDs, gehört. So intensiv wäre mir das in keiner anderen Lebenslage gelungen. In gründlichster Erinnerung ist mir aber die Fahrt nach Nordfrankreich, als wir unsere Tochter zu den Weihnachtsferien von ihrem einjährigen Schulaufenthalt dort abholten. Aus Unerfahrenheit hatte sie den Fernbus nach Berlin verpasst und rief gegen 23.00 Uhr am 21.12. bei uns an, was sie nun tun solle. Ich sagte u.a. "morgen früh sind wir da und holen dich". Eine Stunde später waren wir auf der im Brandenburgischen bereits winterlichen Autobahn. Morgens um 10.00 Uhr standen wir in Frankreich vor der Tür, zwei Stunden später ging es zurück. Die Klimaerwärmung funktionierte in jenem Jahr nicht besonders. In Belgien bei Brüssel setzte bereits Schneeregen ein. Im Weserbergland begann es richtig zu schneien. Bei Schneetreiben im Dunkeln auf der dreispurigen A2 plötzlich als Erster vor der Kolonne zu fahren und kein anderes Rücklicht zur Orientierung! Das Bild der völlig unberührten weißen ebenen Fläche ohne die gewohnten Begrenzungen hat sich mir eingeprägt. Am 22.12. um 02.00 Uhr morgens waren wir wieder in Prenzlau. 2000 km in 26 Stunden. Am Lenkrad immer abwechselnd Sylke und ich. Es war unsere unvergesslichste Reise. Mit dem T4 war ich einmal in Eisenach zu einem EMW-Treffen mit einem Autohänger im Schlepp. Mit dem Drehmoment des Benzinmotors war ich auf der A4 einigermaßen zufrieden, der Benzinverbrauch mit 14 l/100 km lag unter meinen Befürchtungen. Dar Audi verbraucht seit dem ersten Tag nie mehr als 6 – 6,5 l Diesel.

Ich bin, wie man so sagt, sehr zufrieden. Wie schön und bequem ist es doch, ein Auto ohne großen Aufwand altern lassen zu können. Früher? Da rosteten alle Autos und waren auf so lange Laufleistungen kaum ausgelegt. Ein VW Käfer und ein VW T1/T2 oder ein Opel Kadett der in den 60ern gebaut wurde, dürfte gleichem Verschleiß unterlegen haben wie Trabant, Barkas und Wartburg. Nur gute Pflege oder mehrmalige Generalreparatur rettete die Autos jener Tage in die heutige Zeit. Soll früher nicht alles besser gewesen sein? Bei den Autos war das nicht so. Doch alles hat seine Zeit.

So wünsche ich uns im kommenden Jahr wieder viel Freude auf den Reisen mit dem alten Blech und Eisen. Und vielleicht auch Freude daran, wie relativ unkompliziert Autotechnik in der modernen Zeit ist.

 

Man sieht sich, Euer

Martin Völz