Der Gestalter (Signale 61-82)

Clauss Dietel (Wikimedia, Autor: Laszlo Farkas)

Clauss Dietel wurde für sein Lebenswerk ausgezeichnet

Am 25. September 2014 erhielt der 1934 geborene Formgestalter Karl Clauss Dietel den Bundesdesignpreis für sein Lebenswerk. Diese, durch das Bundeswirtschaftsministerium verliehene Auszeichnung stellt die höchste offizielle Anerkennung im Bereich Design dar.

In der Begründung der Jury wurde auf Dietels Verdienste für die Designentwicklung in der DDR und darüber hinaus bis zur Jahrtausendwende hingewiesen.

In den Nachrichten der ARD und vor allem des MDR, aber auch bei vielen anderen Medien wurde dieses Ereignis unter dem unvermeidlichen Hinweis auf Dietel als „Vater des Wartburg“ gewürdigt.

Um diese spezielle Geschichte ranken sich seit über 50 Jahren die widersprüchlichsten Geschichten.

So nimmt sein grundsätzlicher Gestaltungsentwurf für einen Vollheck-Pkw tatsächlich die kantige Ansicht des späteren Wartburg 353 vorweg. Ob das jedoch nur Zufall oder tatsächliche Anleihe war wird sich heute kaum noch klären lassen. Hans Fleischer nahm seinerseits für sich in Anspruch, den Wartburg 353 gestaltet zu haben.

Ob nun ausgerechnet der Wartburg nun also ein Kind von Clauss Dietel ist oder nicht, viele andere ostdeutsche Gebrauchsgegenstände der letzten 50 Jahre können ihm auf jeden Fall zugeschrieben werden.

So geht die Simson Vogelserie und die nachfolgenden Suhler Zweiräder auf seine Entwürfe zurück, genau wie die MZ ES 250/1 und die MZ ETZ 150.

Der Trabant P610 trägt seine Handschrift und auch das geplante Einheitsführerhaus der Lkw L60 und Robur.

Clauss Dietel war stets dem Bauhaus-Gedanken verpflichtet, nachdem die Form der Funktion zu folgen hat. Ein sehr nüchterner, im Industriedesign jedoch oft wirkungsvoller Ansatz.

Neben den genannten Fahrzeugen lassen sich jedoch auch die Formen einiger weiterer mehr oder weniger bekannten Gebrauchsgegenstände auf Dietels Wirken zurückführen.

So die sicher allseits bekannte Reiseschreibmaschine „Erika“ oder die bekannten Kugellautsprecher von Heliradio zu DDR-Zeiten.

Nach dem Ende der DDR gestaltete Clauss Dietel unter anderem das Elektrofahrrad CITYBLITZ für Elite-Diamant, Telefone für Sigma und Philips und Textilmaschinen.

Auch heute noch ist der mittlerweile 80jährige aktiv.

Clauss Dietel meinte zu seiner Auszeichnung: "Ich betrachte das als Würdigung für die Arbeit vieler Kollegen im Osten".

Dietel lernte zunächst Maschinenschlosser. Anschließend studierte er an der Ingenieurschule Zwickau Karosseriebau. Danach wechselte er an die Kunsthochschule Weißensee.

Seine Diplomarbeit war der eingangs erwähnte Stein des Anstoßes: der Entwurf eines Mittelklasse-Pkw mit deutlichen Designzitaten an das in Berlin-Weißensee verehrte Bauhaus.

Ab 1963 war Clauss Dietel freischaffend tätig.

Später unterrichtete er an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Halle Giebichenstein und an der Fachschule für angewandte Kunst in Schneeberg.

1981 trat er aus Protest von seinem Amt als Vizepräsident des Verbandes Bildender Künstler der DDR zurück.

Am 10. Oktober konnte Clauss Dietel seinen 80. ´Geburtstag feiern.

Stephan Uske