Öffentliche Wortmeldung (Signale 61-82)

Ehemaliges Werkstor des AWE

des Vereins Automobilbau-Museum Eisenach e.V.

Nachdem der Verein Automobilbau-Museum e.V. in der öffentlichen Auslegung zur 1. Änderung des Bebauungsplanes Nr. 12.1 – AWE -Stammwerk – eine fachliche Stellungnahme abgegeben hat, möchten wir uns hiermit an die Öffentlichkeit und alle Entscheidungsträger der Stadt wenden:

Der Verein Automobilbau-Museum Eisenach e.V. kümmert sich schon seit 22 Jahren um die Bewahrung der Eisenacher Automobilkultur und nutzt seit über 10 Jahren das denkmalgeschützte Gebäude O 5, die sog. Ostkantine. Damit sind wir, da im B-Plangebiet liegend, unmittelbar betroffen. Mit großem ehrenamtlichem Engagement und auch mit staatlicher Unterstützung erhalten und sanieren wir fachgerecht auch das Gebäude O 5, welches ja zum diesjährigen Denkmaltag erneut den Eisenacher Bürgern und ehemaligen Automobilwerkern präsentiert werden konnte. Alle Besucher staunten über die erbrachten Leistungen unserer Vereinsmitglieder und zeigten kein Verständnis dafür, dass das unmittelbar danebenstehende Gebäude seit Jahren verfällt, da dazu offensichtlich immer noch das entsprechende Baurecht fehlt.

Wir sind stolz darauf, was wir in dem letzten Jahrzehnt in unzähligen Stunden aus der marode übernommenen Ostkantine gemacht haben.

Derzeitiger Zustand ist untragbar

 

Wir haben deshalb selber ein großes Eigeninteresse, dass der dramatische städtebauliche Missstand in der unmittelbaren Nachbarschaft durch die unsanierte Ruine des Gebäudes O 1 beseitigt wird. Nur mit der Aufwertung des gesamten Umfeldes ist eine künftige öffentliche Nutzung der Ostkantine mit dem großen historischen Saal, auch für Veranstaltungen, möglich.

Bisher befindet sich das Gebäude O 5 noch im Privatbesitz, und mit der Realisierung des geplanten, großflächigen und funktionsfähigen Möbelhauses besteht die Möglichkeit dieses, als Einzeldenkmal ausgewiesene Gebäude, auch in das Eigentum der Stiftung Automobile Welt zu überführen. Mit dem Stiftungseigentum würde auch die Rechts-und Arbeitsgrundlage unseres Vereins langfristig auf sichere Füße gestellt. Derartige positive Gespräche mit den Eigentümern fanden bereits statt. Nur damit kann ein wichtiger Beitrag geleistet werden, die Bewahrung der Eisenacher Automobilgeschichte und Industriekultur endgültig abzusichern.

Wir sehen daher in dem Bauvorhaben des Ergänzungsbaus zum Möbelhaus im B-Plan 12.1 die einmalige Chance, den dramatischen städtebaulichen Missstand in diesem Bereich zu beseitigen, und unterstützen vollinhaltlich die notwendige rechtliche Verknüpfung mit den Auflagen zur Sanierung des Gebäudes O 1.

 

Die Errichtung eines Möbelfachmarktes im Baufeld 7 wird daher von uns vollinhaltlich und uneingeschränkt unterstützt!

Durch den vorgesehenen mehrgeschossigen Baukörper werden mit den vorgegebenen nördlichen und westlichen Baufeldgrenzen städtebauliche Raumkanten geschaffen, die das ganze Gebiet städtebaulich und räumlich aufwerten. Durch diese neu entstehenden Raumkanten wird die Straßen- und Platzsituation um den Heinrich-Ehrhardt-Platz räumlich endlich erlebbar, und der Heinrich-Ehrhardt-Platz wird erstmals als Stadtplatz überhaupt wahrgenommen, der ihm dann in seiner Nutzung auch neue Perspektiven eröffnet.

 

Baufeld als Ganzes betrachten

 

Gleichzeitig stellen wir fest, dass auch mit den vorgegebenen Baufeldgrenzen auf der östlichen und südlichen Seite ein deutlicher Abstand zum ausgewiesenen Einzeldenkmal Torhaus geschaffen wird. Damit wird perspektivisch gewährleistet, dass das Ensemble der denkmalgeschützten Gebäude der Eisenacher Industriekultur zusammen mit Torhaus, O 1 und O 2 künftig als Ganzes wahrgenommen werden kann, und so der touristischen Perspektive einer Automobilen Welt Eisenach eine neue Gestalt verliehen wird.

 

Wir fordern daher bei der Bauausführung, vor allem auf der südlichen und östlichen Seite des neuen Gebäudekörpers, die Fassade entsprechend zurückhaltend zu gestalten bzw. Stilelemente der Industriearchitektur der 30er Jahre – wie Klinkerelemente o.ä. – aufzunehmen. Wichtig ist, dass die städtebauliche Wirkung des bereits genannten Ensembles der Industriegebäude zur Wirkung kommt und mit einem an dieser Stelle zurückhaltend gestalteten Gebäude eines Möbelmarktes noch aufgewertet wird.

 

Einmalige Chance für die Stadt

 

Die Erweiterung der Verkaufsflächen für das festgeschriebene Möbelsortiment in diesem Bereich halten wir für sinnvoll. Mit der direkten städtebaulichen Anbindung an die Hauptverkehrsmagistrale Rennbahn kann so der dortige überregionale Zielverkehr verkehrsmäßig kanalisiert und gefasst werden. Damit entsteht auch die

einmalige Chance für die Stadt Eisenach, mehr überregionalen Zielverkehr in die Stadt zu ziehen, ohne wesentliche Innenstadtbereiche zu belasten.

 

Eine dort höhere Kundenfrequenz wirkt sich nach unserer Erfahrung nicht nur positiv auf den Besucherstrom zum Automobilmuseum aus, sondern bindet noch mehr Kaufkraft im Kernstadtbereich von Eisenach. Damit kann dann auch erstmalig, die für uns äußerst wichtige verkehrliche Erreichbarkeit der Ostkantine über das Gelände des Möbelhauses im O 1 geschaffen werden, und die dann dort vorhandenen Parkplätze können darüber hinaus in den Abendzeiten auch für Veranstaltungen im Gebäude O 5 genutzt werden.

 

Wir haben daher ein großes Interesse, dass die über Jahre entstandene, nicht akzeptierbare Situation in diesem Bereich endgültig geklärt wird. Wir haben auch absolut kein Verständnis dafür, das Mitbewerber aus der Möbelbranche dieses Projekt aus Eigeninteresse blockieren wollen, wo man im umgekehrten Fall immer die Slogan „Konkurrenz belebt das Geschäft“ und „Handelsflächen werten das Umfeld auf“ ins Feld führt.

 

Besonders am vergangenen Denkmaltag wurden wir in der Ostkantine von vielen Eisenacher Bürgern angesprochen, die ihr Unverständnis darüber äußerten, dass ein hier vorhandener Investor seit Jahren „Gewehr bei Fuß“ steht, aber immer noch kein Baurecht für sein Gesamtprojekt hat.

Aus unserer Sicht ist die Errichtung eines Möbelfachmarktes im Rahmen des Bebauungsplanes 12.1 die einzige Chance, den städtebaulichen Missstand in gesamten Bereich des ehemaligen Automobilwerks zu beseitigen. Dazu muss das Projekt Möbelfachmarkt im Gesamtrahmen endlich mehr Transparenz erfahren.

Mit der Umsetzung des Gesamtprojekts Möbelhaus wird nicht nur die touristische Destination des Automobilmuseums aufgewertet, sondern auch ein dauerhafter Beitrag zu Bewahrung des über hundertjährigen automobiltechnischen und industriellen Erbes der Stadt Eisenach geleistet.

Wir hoffen, dass sich die Mitglieder des Stadtrates ihrer Verantwortung bewusst sind.

Der Vorstand des Vereins Automobilbau-Museum Eisenach e.V.

Wolfram Böhnhardt
Vorsitzender