Bremsen von einst und jetzt (Signale 1975-4)

Bremse des Wartburg-Motorwagen

Die Bremsen waren neben dem Motor schon immer ein wichtiger Punkt der Automobilkonstruktion, denn schon bald erkannte man, daß eigentlich und sozusagen kein Wagen schneller sein kann und darf, als seine Bremsen es zulassen.

6/24-PS-Dixi Typ G 1  von 1925 Das trifft heute umso mehr zu, da innerhalb der von Massenmobilisierung auf-geworfenen Probleme die Verkehrssicherheit weit wichtiger zu werten ist als etwa Motorisierung und Höchstgeschwindigkeit.

 

Diesen gesamten Entwicklungsweg von Anfangsarten bis zu modernen Bremssystemen widerspiegeln die Modelle des bis vor die Jahrhundertwende zurückreichenden Eisenacher Automobilbaues.

 

Hydraulik-Trommelbremse am Vorderrad eines der Eisenacher Zweiliter-Sechszylindertypen der 30er Jahre. Bereits die Wartburg-Motorwagen von 1898/ 99 besaßen Bremsen, die bei schon fortgeschrittener Fahrgestellkonstruktion ein Teil eigenständiger Automobilentwicklung dokumentierten. Die ursprüngliche, vom Pferdewagen entlehnte Klotzbremse war bereits abgetan und bei der Pneumatikbereifung auch nicht mehr anwendbar. Die Wartburg-Motorwagen hatten, wie das 1. Foto anzeigt, Außenbandbremsen, einmal am Tellerrad des Achsantriebs und zum anderen beiderseits an der Hinterachse. Im nächsten Jahrzehnt schon wiesen die Dixi-Automobile handhebelbetätigte Innenbacken-Trommelbremsen an den Hinterrädern auf. Durch Fußhebel wurde eine auf die Kardan-welle wirkende Außenbackenbremse am Getriebe bedient. Auf der Abbildung eines Dixi-Fahrgestells ist aber noch eine dritte Vorrichtung bemerkbar, von der es im damaligen Prospekt hieß: „Zur Sicherung gegen unbeabsichtigtes Rückwärtsfahren ist außerdem die übliche Bergstütze vorgesehen."

 

Ab 1925 hatte der seit 1921 gebaute 6/24-PS-Dixi Typ G 1 Vierradbremsen mit verrippten Bremstrommeln. Die Vierradbremse stellte eine weitere Stufe in der Bremsenentwicklung dar. Erwähnt sei jedoch, daß sich die Vierradbremse anfangs nur zögernd durchsetzte, weil viele Autokäufer glaubten, der Wagen würde sich damit beim Bremsen nach vorn überschlagen.

 

Tatsächlich brachte aber die Vierradbremse eine prinzipiell viel bessere Wirkung. Deswegen stattete man übrigens derart ausgerüstete Wagen mit einem Extra-Hinweisschild aus.

 

Alle bisherigen Bremsen waren mechanisch durch Gestänge oder Seilzug betätigt.

 

Schnittmodell der Scheibenbremsen des Wartburg 353 WDer nächste Schritt war dann die Hydraulik-Bremse. Ihre wesentlichen Vorteile lagen und bestehen, gegenüber der mechanisch betätigten Bremse, in verringerten Betätigungskräften und in der gleichmäßigen Verteilung der eingeleiteten Betätigungskraft auf die Radbremszylinder aller vier Räder. Unser 3. Bild zeigt die Hydraulik-Trommelbremse am Vorderrad eines der Eisenacher Zweiliter-Sechszylindertypen der 30er Jahre.

 

Was nun auf dem letzten Foto betrachtet wird, ist ein Schnittmodell der Scheibenbremsen des Wartburg 353 W. Bei diesem jüngsten Eisenacher Automobiltyp kennzeichnen jedoch nicht allein hochwirksame Scheibenbremsen vorn den modernen Stand in der Bremsenentwicklung.

 

Die Merkmale erstrecken sich bekanntlich auch auf die Zweikreis-Bremshydraulik und die vom Querstabilisator lastabhängig gesteuerte Bremskraftdosierung für die Hinterräder.